Psychose-Seminar Tempelhof
ab Montag, den 19.1.2009
Uhrzeit:
jeweils 18.00 – 20.00 Uhr mit Pause
Ort:
Café Aurel, Hiram
Alt-Tempelhof 28
12103 Berlin
Zugang durch das Café Aurel
Verkehrsverbindung:
U-Bahn: Alt Tempelhof (U6),
Bus: M46, 140,184, 246
Kontakt:
Tagesbegegnungsstätte „Die Kurve“,
Telefon: 7459083
Psychoseseminare sind Gesprächsforen und Expertenrunden, deren Kerngedanke eine gleichberechtigte Verständigung über Psychosen ist - letztlich mit dem Ziel, ein besseres, ganzheitliches Verständnis für Psychosen zu entwickeln und damit auch die Arbeit der Psychiatrie zu verändern. Experten sind im Sinne von Psychoseseminaren die Menschen, die selbst eine Psychose erlebt haben, Psychose-Erfahrene; ihre Angehörigen, die eine Psychose in der Regel aus nächster Nähe miterlebt haben; sowie Professionelle, die beruflich in der Psychiatrie mit Menschen mit Psychosen arbeiten. In Psychoseseminaren können diese unterschiedlichen Sichtweisen und Erfahrungen zur Sprache kommen und gleichberechtigt nebeneinander stehen. Dieser „Trialog“ genannte Erfahrungsaustausch soll von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten dadurch neue Einblicke in das Erleben anderer und lernen somit mehr über das Phänomen Psychose.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es inzwischen über 100 derartige Seminare. Sie sind organisatorisch autonom, so dass es eine große Vielfalt gibt, was die Art der Moderation, die internen Regeln, die Teilnehmerzahl, Zusammensetzung, oder den Ort des Seminars betrifft. Als Grundregel gilt jedoch, dass die Seminare an einem neutralen Ort, meist eine Volkshochschule oder Hochschule, stattfinden und nicht zum Beispiel in einer Klinik, die mit unterschiedlichen Rollenzuweisungen behaftet ist.
Nach außen hin möchten Psychoseseminare ein menschliches Bild von Psychosen und psychisch Erkrankten vermitteln und auch in der Öffentlichkeit den Dialog und ein vertieftes Verständnis für diese stärken.
Das erste Modell für die heutigen Psychoseseminare ist wohl Anfang der 1990er Jahre an der Universitätsklinik Hamburg entstanden, wo Dorothea Buck an den Psychologen Thomas Bock mit dem Wunsch herantrat, ihre Sicht als Psychose-Erfahrene einmal Fachleuten vorstellen zu können, damit diese mit dieser Kenntnis ihre Arbeit verändern und verbessern können. Dieses Modell ist dann in vielen Städten, angepasst an die Bedingungen vor Ort, übernommen worden.
Begegnung im Psychoseseminar
Regelmäßig, meistens 14-tägig, treffen sich für zwei Stunden psychiatrie- und psychoseerfahrene Menschen und deren Angehörige und Freundeinnen, professionelle Helferinnen wie Psychiaterinnen, Psychologeninnen, im sozialen Bereich Tätige, Studenteninnen in Räumen, die möglichst nicht in einer Klinik liegen sollten, zum Gedankenaustausch.
Angestrebt wird eine offene, ehrliche, zwanglose Atmosphäre der Verständigung, des Respekts vor dem Gegenüber, der Ermutigung zur Übernahme der Verantwortung für sich selbst, des gemeinsamen Lernens. Daraus können neue Umgangsformen der verschiedenen Gruppen untereinander entstehen, die Anerkennung, Dialog und Trialog ermöglichen.
Jede der Anwesenden ist Expertein ihrer Erfahrungen und das, was sie darüber zu erzählen hat, soll Gehör finden.
In den Seminaren werden Fragen wie z.B. die Folgenden diskutiert:
Wie soll ich mein besonderes Erleben denjenigen, die es nicht kennen, verständlich machen? Muss ich mich von Angehörigen oder dem Klinikpersonal entmündigen lassen?
Ist das noch meine Angehörige, so wie ich sie kenne? Was muss ich mir bieten lassen - und was nicht? Wie kann ich ihr helfen?
Wenn jede Psychose von der anderen verschieden ist, und sogar jeder Schub sich vom vorherigen total unterscheiden kann, müssen dann auch die Behandlungsmethoden verändert werden?
Kann ich mich auf die Schulmedizin und die Angaben der Pharmaindustrie verlassen? Mir geht es eigentlich immer sehr gut während der Psychose, warum sollte ich dagegen etwas unternehmen? Muss ich mein Leben lang Medikamente nehmen?
Sind Professionelle immer „nur“ professionell? Dürfen sie Hilflosigkeit empfinden?
Im Psychoseseminar können Sachverhalte, die bisher im psychosozialen Kontext nicht wahrgenommen wurden, angesprochen werden. Es wird geduldig zugehört. Nach dem Zusammenprall der verschiedenen Ansichten und Erfahrungen können Voreingenommenheit und Widerstände verringert und Voraussetzungen für weiterführende Veränderungen für eine bessere Verständigung geschaffen werden.
Betroffene Menschen können gewahr werden, welchen Sinn und welche Bedeutung Ihre Psychose für sie hat. Sie informieren sich über die verschiedenen Behandlungsmethoden und so wächst im Laufe der Zeit die Fähigkeit, selbst Einfluss zu nehmen und über das eigene Leben zu bestimmen.
Können Angehörige besser informiert und unterstützt werden? Damit würde auch in der Öffentlichkeit ein wirklichkeitsgetreueres Bild über Psychosen entstehen.
Professionelle Helferinnen erhalten die Möglichkeit, die Psychose durch einen anderen Blickwinkel kennen zu lernen.
Innerhalb der letzten 10 Jahre sind ca. 100 Psychoseseminare im deutschsprachigen Raum entstanden. Das zeigt, dass diese Idee auf breite Zustimmung stößt.
Da auch die Erkenntnisse der Psychoseseminare unterschiedlich sind, ist es ein Schritt in die richtige Richtung, wichtige Entwicklungen, originelle Lösungen und Wissenswertes allen interessierten Menschen zugänglich zu machen.
Quelle: kreuz und quer Internet
Hier können Sie einen Artikel zum Thema von Dr. Mathias Kehn herunterladen: artikel-psychoseseminar.pdf
Sie sind herzlich eingeladen, müssen aber nicht regelmäßig teilnehmen.
Schauen Sie einfach mal vorbei.
Flyer PsychSem II